Entzündungshemmer als Kostentreiber

  • Autor(en): Stefan Weiler
  • pharma-kritik-Jahrgang 46 , Nummer 2, PK1327
    Redaktionsschluss: 18. September 2024
  • In einer grossen britischen Kohortenstudie wurden die Auswirkungen der Verschreibung von nicht-steroidalen Entzündungshemmern bei Personen über 65 mit verschiedenen Risiken (z.B. solchen mit einer Ulkusanamnese) untersucht. In diesen Risikogruppen ergab sich ein bedeutsamer Verlust an qualitätsadjustierten Lebensjahren und zudem erhöhte Gesundheitskosten.
Eine Bevölkerungs-basierte Kohortenstudie aus England zeigt, dass die Verschreibung von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) in Hochrisikopopulationen mit vermeidbarem Schaden und erhöhten Gesundheitskosten verbunden ist. Anhand von ökonomischen Modellen wurde für einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht, wie sich NSAR auf die Gesundheit der Behandelten und auf die Kosten für den britischen National Health Service (NHS) auswirken. Berücksichtigt wurden die folgenden fünf Hochrisikogruppen: Erwachsene ab 65 Jahren ohne Magenschutz – Personen mit einer Magenulkusanamnese ohne Magenschutz – mit oralen Antikoagulantien Behandelte – Personen mit Herzinsuffizienz – chronisch Nierenkranke. Im Vergleich mit Personen, die keine NSAR erhielten, führten die NSAR in allen Risikogruppen zu einem Verlust von qualitätsadjustierten Lebensjahren (QALYs) und zu erhöhten Gesundheitskosten. Die Verschreibung von NSAR in diesen Risikopopulationen war mit einer Zunahme von Todesfällen, symptomatischen Magenulzera, gastrointestinalen Blutungen, Schlaganfällen, akuten Verschlechterungen der Herzinsuffizienz und akuten Nierenschäden verbunden. Insgesamt wurden über den Zeitraum von zehn Jahren 6335 QALYs verloren und NHS-Kosten in der Höhe von £31,43 Millionen (etwa 35 Mio CHF) verursacht.

Diese Studie unterstreicht, dass NSAR trotz verschiedener Initiativen zur Reduzierung ihrer Verwendung weiterhin eine bedeutende Quelle für vermeidbare Schäden und Kosten im britischen Gesundheitswesen darstellen, insbesondere in Hochrisikogruppen. Die Risiken und Kosten überwiegen in diesen Populationen den potentiellen Nutzen offensichtlich. Obwohl sich dieses Resultat nicht unmittelbar auf die Schweiz übertragen lässt, mahnt es zu mehr Vorsicht. NSAR sollten gerade bei älteren Individuen sorgfältig in Massnahmen zur Absicherung gegen medikamentös verursachte Probleme (Deprescribing!) einbezogen werden. Nur eine individuell abgestimmte Schmerztherapie, die nicht-pharmakologische Massnahmen einbezieht und das Risiko verschiedener Substanzen sorgfältig abwägt, ist optimal.

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Entzündungshemmer als Kostentreiber (18. September 2024)
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pharma-kritik, 46/No. 2
PK1327
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