Beschleunigen Antidepressiva den kognitiven Abbau?

  • Autor(en): Etzel Gysling
  • pharma-kritik-Jahrgang 46 , Nummer 5, PK1368
    Redaktionsschluss: 6. Mai 2025
  • In einer schwedischen Kohortenstudie wurde untersucht, wie sich die Verabreichung von Antidepressiva bei Personen mit Demenz auswirkt. Insbesondere bei Kranken, die mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer be-handelt wurden, fand sich eine vergleichsweise ausgeprägte-re, aber relativ geringfügige Abnahme des «Mini-Mental State Examination»-Wertes. 
Unter Verwendung des schwedischen Registers dementer Personen («SveDem») und passender Verschreibungsdaten wurde in einer Kohortenstudie geprüft, wie sich Antidepressiva auf das Ausmass des kognitiven Abbaus sowie auf Frakturen und Todesfälle auswirken. Die Studie umfasst Personen mit einer Demenz-Diagnose, denen zwischen 2007 und 2018 neu Antidepressiva verschrieben worden waren. Die Daten zu den kognitiven Fähigkeiten beruhen auf der «Mini-Mental State Examination» (MMSE, mit einer 30-Punkte-Skala). Von 18'740 Patientinnen und Patienten erhielten 4271 mindestens einmal ein Antidepressivum. Am häufigsten wurden selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) verschrieben. Im Vergleich mit Personen, die kein Antidepressivum erhielten, fand sich für solche, die Escitalopram (Cipralex® u.a.), Citalopram (Seropram® u.a.), Sertralin (Zoloft® u.a.) oder Mirtazapin (Remeron® u.a.) erhielten, ein rascherer Abbau kognitiver Fähigkeiten. Die entsprechende Abnahme des MMSE-Wertes liegt zwischen 0,76 und 0,19 pro Jahr. In höheren Dosen führten SSRI zu einem höheren Demenzgrad, häufigeren Frakturen und häufigeren Todesfällen. Diese Studie überzeugt nicht ganz. In der publizierten Diskussion der Studie wird zu Recht erwähnt, dass die festgestellte Abnahme des MMSE-Wertes keine sichere klinische Relevanz hat. Wirklich von Bedeutung wäre natürlich, wie die (wahrscheinliche) kognitive Abnahme in Relation zum Nutzen der Medikamente – d.h. dem Wohlbefinden der Kranken – zu beurteilen ist. Ausserdem wäre zu untersuchen, wie sich allenfalls andere Medikamente (Neuroleptika?) auf die Kognition auswirken. Die wachsende Zahl von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sollte die Forschung motivieren, solche Fragen genauer zu untersuchen.                                                                        &nb
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Beschleunigen Antidepressiva den kognitiven Abbau? (6. Mai 2025)
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pharma-kritik, 46/No. 5
PK1368
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