Pharma-Kritik

Etzel Gysling
pharma-kritik Jahrgang 33 , Nummer 6, PK858
Redaktionsschluss: 19. Januar 2012
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Aufgrund der Empfehlung des unabhängigen Datenüberwachungs-Komitees wurde im Dezember 2011 die ALTITUDE-Studie mit Aliskiren (Rasilez®) abgebrochen. In dieser Studie wurden Personen behandelt, die einen Typ-2-Diabetes und eine eingeschränkte Nierenfunktion hatten. Zu einer optimierten medikamentösen Therapie, die auch einen ACE-Hemmer oder einen Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB, Sartan) beinhaltete, wurde zusätzlich Aliskiren oder ein Placebo verabreicht.  Nach einer Studiendauer von 18 bis 24 Monaten hatte sich ergeben, dass in der mit Aliskiren behandelten Gruppe signifikant mehr Schlaganfälle, Nierenkomplikationen, Hyperkaliämien und Hypotonien als unter Placebo auftraten. Die Herstellerfirma (Novartis) hat die Ärzteschaft in einem Schreiben informiert, dass Aliskiren nicht mit einem ACE-Hemmer oder ARB kombiniert werden soll.(1) Einzelheiten zu den Studienresultaten sind noch nicht veröffentlicht.

Gemäss einer systematischen Übersicht und Meta-Analyse, die 10 randomisierte Studien umfasst, erhöht Aliskiren das Risiko einer Hyperkaliämie signifikant, wenn es mit einem ACE-Hemmer oder ARB kombiniert verabreicht wird.(2) Im Vergleich mit einer ACE-Hemmer- oder ARB-Monotherapie ohne Aliskiren beträgt das relative Risiko einer Hyperkaliämie 1,58 (95%-Vertrauensintervall 1,24 – 2,02); im Vergleich mit einer Aliskiren-Monotherapie ist das entsprechende relative Risiko mit der Kombination ebenfalls erhöht (1,67, 95%-Vertrauensintervall 1,01 – 2,79). Nierenkomplikationen sind jedoch gemäss dieser Meta-Analyse unter einer Kombination von Aliskiren mit einem ACE-Hemmer oder ARB nicht signifikant gehäuft.

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Kommentar

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass sich die gleichzeitige Verabreichung von zwei Hemmstoffen des Renin-Angiotensin-Systems (Reninhemmer, ARB, ACE-Hemmer) nachteilig auswirkt. Die jetzt festgestellten Probleme mit Aliskiren entsprechen durchaus den Daten, die in Studien mit ACE-Hemmer/ARB-Kombinationen gefunden wurden. Schon 2007 kam eine Meta-Analyse zum Schluss, gegenüber einer Monotherapie mit ACE-Hemmern führe die Kombination von ACE-Hemmern mit ARB zu signifikant mehr unerwünschten Wirkungen (Verschlechterung der Nierenfunktion, Hyperkaliämie, Hypotonie).(3) In grossen Studien wie beispielsweise der ONTARGET-Studie liess sich mit der Kombination eines ACE-Hemmers und eines ARB gegenüber der Monotherapie kein Zusatznutzen erreichen; dagegen verursachte die Kombination mehr Nebenwirkungen.(4) Auch eine neuere longitudinale Datenanalyse bei über 32'000 Personen, die entweder eine Monotherapie mit ACE-Hemmern oder ARB erhielten oder eine Kombination beider medikamentöser Prinzipien, ergab dasselbe Resultat: eine Hyperkaliämie und eine Verschlechterung der Nierenfunktion ist eindeutig häufiger unter der Kombina­tion.(5) Situationen, in denen die Kombination von zwei Hemmern des Renin-Angiotensin-Systems tatsächlich einen überzeugenden Nutzen erbringt, sind meines Erachtens nicht genügend dokumentiert.

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Literatur

  1. http://swissmedic-aliskiren.notlong.com
  2. Harel Z et al. BMJ 2012; 344: e42
  3. Phillips CO et al. Arch Intern Med 2007; 167: 1930-6
  4. ONTARGET Investigators. N Engl J Med 2008; 358: 1547-59
  5. McAlister FA et al. CMAJ 2011; 183: 655-62
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Standpunkte und Meinungen

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pharma-kritik, 33/No. 6
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(19. Januar 2012)
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