Schweizer Drogenpolitik funktioniert

  • a -- Nordt C, Stohler R. Incidence of heroin use in Zurich, Switzerland: a treatment case register analysis. Lancet 2006 (3.Juni); 367: 1830-4 [Link]
  • Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
  • infomed screen Jahrgang 10 (2006) , Nummer 8
    Datum der Ausgabe: August 2006

Ob Präventionsmassnahmen wirksam sind, widerspiegelt sich höchstens langsam in Prävalenzdaten, für eine eigentliche Wirksamkeitskontrolle sind Inzidenzdaten nötig. Gerade der schweizerischen Suchtstatistik mangelt es an Inzidenzdaten, während die vorhanden Prävalenzen nur eine leichte Abnahme zeigen.

Im Kanton Zürich gibt es ein zentrales Register, in dem seit 1991 Daten von allen Abhängigen in Substitutionsprogrammen gesammelt werden. Unter einigen (sehr vernünftigen) Annahmen, z.B. dass die Zeit zwischen erstem regelmässigem Heroingebrauch und Aufnahme einer Substitutionstherapie über die Jahre gleich geblieben ist, können sehr genaue Daten über Prävalenz und Inzidenz Heroinsüchtiger für den Kanton Zürich berechnet werden. So wurden seit 1991 9'518 Süchtige mit Methadon oder Buprenorphin (Subutex ®) substituiert. Im März 2005 waren noch 2'996 in Behandlung, ihr Durchschnittsalter stieg im Verlaufe der Zeit von 29 auf 36 Jahre, der Anteil der Geschlechter blieb gleich, Ein- und Aussteigende nahmen von 500 auf 300 pro Quartal ab. Die Inzidenz Neueinsteigender stieg von etwa 80 im Jahre 1975 auf 850 im 1990, um dann wieder auf 150 im Jahre 2002 zu sinken. Verglichen mit Australien und Italien, wo auch Inzidenzdaten vorhanden sind, ist die Inzidenz der Heroinsucht nur in Zürich eindeutig, markant und stetig sinkend.

Richtigerweise sind die Autoren mit der Interpretation der gefundenen, erfreulichen Daten vorsichtig: Über die Jahre sei Heroingebrauch ein Zeichen der «loser» geworden, die Ausgrenzung und der soziale Abstieg der Süchtigen sei für Jugendliche abschreckend. Trotzdem darf auch angenommen werden, dass die von vielen Seiten als «zu liberal» angegriffene Suchtpolitik und die als «zu niederschwellig» betrachteten Substitutionsprogramme ihre positive Wirkung hatten, wenn man die vorliegenden Resultate mit denen anderer Länder vergleicht.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

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infomed-screen 10 -- No. 8
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Schweizer Drogenpolitik funktioniert (August 2006)