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Schlaganfälle bei Frauen, Herzinfarkte bei Männern häufiger

  • k -- Leening MJ, Ferket BS, Steyerberg EW et al. Sex differences in lifetime risk and first manifestation of cardiovascular disease: prospective population based cohort study. BMJ 2014 (17. November); 349: g5992 [Link]
  • Zusammengefasst von: Anne Witschi
  • infomed screen Jahrgang 19 (2015) , Nummer 2
    Datum der Ausgabe: April 2015

Nach wie vor gehören die kardiovaskulären Erkrankungen zu den häufigsten Invaliditäts- und Todesursachen in der westlichen Welt. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau; während Männer häufiger und in jüngeren Jahren an einem Herzinfarkt erkranken, erleiden Frauen in ihrem Leben gleich häufig bzw. häufiger eine Herzinsuffizienz oder einen zerebrovaskulären Insult. Um sinnvolle Präventionsstrategien entwickeln zu können, muss man mehr über die geschlechtsspezifischen Unterschiede wissen. Für die vorliegende Studie wurden Daten der «Rotterdam-Studie» verwendet. Es handelt sich um eine prospektive Kohortenstudie, die in der allgemeinen Bevölkerung Vorkommen und Häufigkeit von Risikofaktoren für Krankheiten in Bezug auf das Alter untersucht. Von allen mindestens 55-jährigen Personen eines definierten Quartiers von Rotterdam, die von 1990 bis 1993 und von 2000 bis 2001 angeschrieben worden waren, konnten total 8'419 (61% Frauen) in die Untersuchung aufgenommen werden. Personen mit einem vorausgegangenen kardiovaskulären Ereignis wurden aus der Analyse ausgeschlossen. Demographische Daten und die bekannten kardiovaskuläre Risikofaktoren wurden standardmässig erfasst.

Während einer medianen Beobachtungszeit von 13,5 Jahren (81'276 Personenjahre) erlitten 2'888 Personen ein erstes kardiovaskuläres Ereignis (1'198 zerebrovaskulär, 826 koronar, 762 Herzinsuffizienz, 102 andere kardiovaskuläre Todesfälle), was einer Inzidenz von 35,5 pro 1000 Personenjahre entspricht. 608 dieser Ereignisse (21,1%) führten zum Tod. Insgesamt war im Alter von 55 Jahren das Risiko, im Verlaufe des restlichen Lebens ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, bei Frauen und Männern ähnlich hoch (67,1% bzw.  66,4%). Frauen und Männer unterschieden sich hingegen in Bezug auf die Art und den Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung. Im Alter von 55 Jahren hatten die Männer im Vergleich zu den Frauen ein Risiko für eine koronare Herzkrankheit von 27% gegenüber 17%, für eine zerebrovaskuläre Erkrankung von 23% gegenüber 30% und für eine Herzinsuffizienz von 15% gegenüber 17%. Dasselbe Muster ergab die Analyse der «schweren» kardiovaskulären Ereignisse (Myokardinfarkt, Tod an koronarer Herzkrankheit, nicht hämorrhagischer zerebrovaskulärer Insult). Alle gemessenen Endpunkte traten bei den Frauen in höherem Alter als bei den Männern auf.

Diese Studie zeigt, wie wichtig es ist, geschlechtsspezifische Forschung zu betreiben. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in dieser Studie sind deutlich. Männer erleiden häufiger und früher eine koronare Herzkrankheit, Frauen ein zerebrovaskuläres Ereignis. Konsequenterweise müssten jetzt massgeschneiderte Präventions- und Behandlungsstrategien entwickelt und dabei berücksichtigt werden, dass die Frauen durchschnittlich älter als die Männer sind, wenn erste kardiovaskuläre Ereignisse auftreten.

Zusammengefasst und kommentiert von Anne Witschi

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infomed-screen 19 -- No. 2
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Schlaganfälle bei Frauen, Herzinfarkte bei Männern häufiger (April 2015)