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Immer noch zu viele präoperative Untersuchungen?

  • k -- Kirkham KR, Wijeysundera DN, Pendrith C et al. Preoperative testing before low-risk surgical procedures. CMAJ 2015 (11. August); 187: E349-58 [Link]
  • Zusammengefasst von: Alexandra Röllin
  • infomed screen Jahrgang 19 (2015) , Nummer 5
    Datum der Ausgabe: September 2015

Das Ziel der «Choosing Wisely»-Kampagnen der letzten Jahre ist das Vermeiden unnötiger medizinischer Eingriffe und Untersuchungen. Ein Punkt, der dabei immer wieder Beachtung findet, sind die routinemässig durchgeführten, präoperativen Untersuchungen, für die es – insbesondere vor Eingriffen mit geringem Risiko – keinen belegten Nutzen gibt. Anhand dieser kanadischen Studie sollte untersucht werden, wie häufig in den Jahren 2008 bis 2013 vor Niedrigrisiko-Eingriffen immer noch Elektrokardiogramme, Thoraxröntgenbilder, Echokardiographien oder Ergometrien durchgeführt wurden. Dabei konnte auf eine nationale Gesundheitsdatenbank zurückgegriffen werden, welche administrative medizinische Daten der ganzen Bevölkerung umfasst.

Im Zeitraum vom 1. April 2008 bis zum 31. März 2013 unterzogen sich gut anderthalb Millionen Erwachsene aus der Provinz Ontario insgesamt über 2,2 Millionen Eingriffen mit geringem Risiko. Davon waren 40% Endoskopien, 34% ophthalmologische Eingriffe und 26% andere, kleinere Operationen (Kniearthroskopien, Hernienoperationen u.a.). Das Durchschnittsalter der untersuchten Personen lag bei 61,6 Jahren, Begleiterkrankungen (insbesondere kardiovaskulärer Art) waren insgesamt selten und 95,8% der Eingriffe erfolgten ambulant. Trotzdem wurde in insgesamt 31% der Fälle ein Elektrokardiogramm und in 11% ein Thoraxröntgen angefertigt. Echokardiographien (2,9%) und Ergometrien (2,1%) wurden deutlich seltener verordnet. Im Laufe der untersuchten 5 Jahre ging die Rate präoperativer Elektrokardiogramme von 35% auf 27% zurück, diejenige der übrigen Untersuchungen blieb mehr oder weniger konstant. Eindrücklich waren die Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen und Institutionen - so variierte die Rate an präoperativen Elektrokardiogrammen zwischen 3% und 89% und diejenige von Thoraxröntgen zwischen 2% und 51%. Das Vorliegen von Begleiterkrankungen war weniger ausschlaggebend für den Entscheid, die Untersuchungen durchzuführen oder nicht, als die Institution, an welcher der Eingriff stattfand oder die Tatsache, ob dem Eingriff eine internistische oder anästhesiologische Konsultation vorausgegangen war.

Ja, es sind Zahlen aus Kanada und nicht aus der Schweiz – möglicherweise würden die Zahlen bei uns also etwas anders ausfallen. Und ja, es sind keine klinischen Daten – somit können wir nicht entscheiden, ob es im Einzelfall andere Gründe für die Verordnung der Untersuchungen gab als reine präoperative Routine. Aber ein Elektrokardiogramm in 89% und ein Thoraxröntgen in 51% der Fälle sind bei dieser Niedrigrisiko-Population ganz sicher medizinisch nicht zu rechtfertigen! Und Hand aufs Herz – haben wir nicht alle schon mal noch eine diese Untersuchungen ohne klaren Grund angefertigt oder anfertigen lassen? Um ja nichts zu verpassen? Weil es so «einfacher ging»? Oder gar aus pekuniären Gründen?

Zusammengefasst und kommentiert von Alexandra Röllin

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infomed-screen 19 -- No. 5
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Immer noch zu viele präoperative Untersuchungen? (September 2015)